Von Prof. Dr. Bernd Gerken


Quelle:

Naturschutzinitiative e.V. (NI)

Bundesweit anerkannter Naturschutzverband

https://naturschutz-initiative.de/wissen/publikationen/keine-windenergie-im-wald/
Dauerhafte Flächenversiegelung: Zufahrt zum Bau von Windenergieanlagen, Foto: Joachim-Wasserthal
Windkraftanlagen verlagern den Energiehunger einer urbanen 
Gesellschaft nach Außen „aufs Land“ und nun soll dies sogar „in
die Wälder“ ausgedehnt werden.

Diese Auslagerung widerspricht den in den vergangenen Jahren mühsam erworbenen Erkenntnissen, dass ein Bedarf an
Material und Energie möglichst lokal bis regional zu decken sei
und diese Deckung durch Ressourcen bzw. Anlagen zu geschehen habe, die eine weitestgehende Regeneration und Wie
derverwertbarkeit ermöglichen. Diese Erkenntnisse haben einst
eine „grüne“ Politik mit begründet. Insofern sollte die Politik
die Weichen entsprechend stellen, was eine Abkehr vom
Ziel bedeutet, auch Wälder und Forsten der Windkraft zu
opfern.


Die Auslagerung des urbanen Energiebedarfs wurde notwendig,
weil die Orte der urbanen Gesellschaft zu schnell gewachsen
sind, wobei der Verbrauch von Gütern und Energie aus dem Ulmand erfolgte, ohne den Prinzipien der Regenerierbarkeit und der
Lokalität respektive Regionalität zu genügen.

Diese Fehlentwicklung ist schmerzlich, sie darf jedoch nicht zu
sätzlich dem Land angelastet werden. Der Energiehunger kann
daher nicht mehr befriedigt werden und ein weiteres Wachstum
darf nicht erlaubt werden, sondern es bedarf einer Reduzierung.
Das erfordert „Sparen“. Unsere Gesellschaft kommt um Energie einsparen nicht herum. Jedoch findet dieses „Sparen“
bei Regierungsentscheidungen bisher nahezu kein Gehör.


Windkraftanlagen widersprechen dem Gebot zu einem nachhaltigen Einsatz von Rohstoffen und einer Vermeidung der Gefahr
langzeitlicher Vergiftung der Biosphäre (Boden, Luft, Ökosysteme). Windkraftanlagen sind nicht klimaneutral, da sie klimaschädigende Freiflächen vermehren, die langzeitlich von Gehölz- oder
Baumwuchs freigehalten werden müssen. Einzelheiten seien wie
folgt ohne Anspruch auf Vollständigkeit beschrieben.
Im Ergebnis bedeutet der Verlust von Wald (mindestens bestock
ter Holzbodenfläche) den Verlust des wesentlichen natürlichen
Klimaregulators der Erde. Die Flächenbilanz der Landschaft
Deutschlands ist bezüglich des Freiflächen-Wald-Verhältnisses
stark negativ:
20 % sogenannter „Wald“ besteht zum großen Teil aus nicht-na
türlichen Bestockungen. Somit wird das Potenzial dieses Flä
chenanteils in Deutschland zur Ausbildung naturnaher oder
natürlicher Ökosysteme nicht ausgeschöpft. Waldbauliche Fehl
entscheidungen wie lange nachwirkender Fichtenanbau an un
geeigneten Standorten, die langzeitlich nachwirken, sorgen
für Schäden, die im Ausfall ganzer Ökosysteme bestehen und
auch den Humusverlust verstärken. Der in Deutschland anzu
treffende „Wald“ kann auch deshalb kein Ökosystem wer
den, weil Großweidetiere wie Rothirsch, Pferd und Rind als
Waldschädlinge missverstanden werden.


Aus dieser Bilanz folgt, dass jede zusätzliche Freifläche in
Deutschland das kontrastierende Klima einer devastierten Land
schaft ausweiten wird. Windkraftanlagen tragen bereits erkenn
bar zur Ausweitung der Freiflächen bei – und auf der mit 20%
jedenfalls zu geringen Holzbodenfläche wirken sie äußerst nach
teilig, indem sie der weltweiten Erfahrung entsprechend trockeneres und heißeres Klima fördern.
Zu Aufstellung von Windkraftanlagen ist i.d.R. das gegebene
Wegenetz ungeeignet und es muss den langen Bauelementen
angepasst werden. Das erfordert größere Kurvenradien und die
Verbreitung von Wegen und damit eine Ausweitung der klima
kritischen Freiflächen. Mitunter besteht die Notwendigkeit zur
Entfernung von Hecken, die als einstige Wind- und Belichtungs
schutz-Maßnahmen aus historischer Zeit resultieren und noch
immer bestimmte Landschaften mit einem dichten Netz an natur
nahen Gehölz-Saum-Komplexen durchziehen.
Die Landschaftsökologie spricht von gliedernden und beleben
den Landschaftselementen und hebt deren ästhetische Bedeu
tung für die Landschaftswahrnehmung des Menschen hervor. In
einem erheblichen Ausmaß werden allein durch den Rotorschlag
Fledermäuse und Vögel getötet. Es genügt nicht, die Rotoren zu
bestimmten Zeiten für Fledermäuse abzustellen, um deren
Flugaktivitäten nicht zu stören, denn Vögel und Fluginsekten
verfügen über andere oder ganztägige Flugaktivitäten.

Es wird behauptet, die Bevölkerung werde sich an Windkraft gewöhnen,
wenn diese einmal flächendeckend installiert sei. Wer
sich in große „Windkraft-Parks“ begibt, etwa Muela in Spanien
oder die Paderborner Hochfläche bei Lichtenau (Westfalen), er
lebt unmittelbar, dass eine Gewöhnung nicht eintreten kann – für
die menschliche Besiedlung mit Haus und Garten oder bäuerliche Landwirtschaft sind solche Landschaften ungeeignet. Wind
krafttürme erzeugen eine Lärm- und eine Lichtverschmutzung
der Landschaft: Die Rotoren erzeugen nachweislich einen so
wohl niederfrequenten als auch hochfrequenten Schall, der nicht
gehört, jedoch gespürt wird. Die Schwingungen werden über die
Luft und den Boden in der Landschaft verbreitet.

Die Windkrafttürme werden nachts mit getaktetem rotem Licht
kenntlich gemacht. Sowohl die unterschiedlichen Frequenzen
der Rotorbewegungen als auch die getaktete Beleuchtung sind
für Menschen gesundheitlich nachteilig, indem sie Stress erzeu
gen. In gleicher Weise wirkt dies auch auf Tiere und Pflanzen.
Inwieweit hierdurch Schäden bei Menschen und Organismen
bewirkt werden, ist unzureichend erforscht. Der Stress kommt
dadurch zustande, dass ein derartiger Einfluss in der Biosphäre
absolut neu ist.
In der Evolution haben Organismen aus den Jahrmillionen wäh
renden Erfahrungen zum Zustand ihrer Lebensräume ein bio
logisches Erbe erworben, an dem sie die Eignung ihrer jeweils
aktuellen Umwelt für ihren Fortbestand überprüfen. Diese Über
prüfung erfolgt bei Pflanzen, Tieren und dem Menschen unbe
wusst. Bisher fremde Einflüsse werden mit Stressreaktionen be
antwortet – etwas ist neu, es gibt kein angepasstes Verhalten und
somit kommt es im Körper zu erhöhter Aufmerksamkeit respek
tive innerem Alarm. Ein solcher Stress kostet Kraft und lenkt ab
von anderen kritischen Faktoren, etwa der Erkennung von Beute
tieren bei Beutegreifern.
In der Entwicklung des Menschen aus frühen tertiären Primaten hat es solche ganztägigen oder nächtlichen Störungen zu keiner Zeit gegeben. Somit gibt es in der Erwartung des
Menschen an seine Umgebung solche Störungen nicht und wo
sie nun auftreten, bewirken sie Stress.
Windkraftanlagen hinterlassen auf unabsehbare Zeit störende
Fundamente – wer wollte dereinst diese Betonmassen entsor
gen. Allein aus diesem Grund widersprechen diese Bauten der
in den vergangenen Jahrzehnten erworbenen Abkehr von nicht
recycelbaren Eingriffen. Die Recyclierbarkeit der verwendeten
Materialien der Bauten ist als Ganzes fraglich. Bereits zur Her
stellung sind Fragen unbeantwortet, wie mir etwa der Einsatz tro
pischer Leichthölzer unverantwortlich erscheint.
Windkraftanlagen sollen dem Klimaschutz dienen, indem sie den
Ausstoß von Kohlendioxid durch energieerzeugende Techniken
reduzieren. Durch Aufbau, Betrieb und den dereinst nötigen Ab
bau wird dieser Erfolg jedoch in bisher unbekanntem Maß kon
terkariert.