Von Dr. Martin Flade
Quelle:
Naturschutzinitiative e.V. (NI)
Bundesweit anerkannter Naturschutzverband
https://naturschutz-initiative.de/wissen/publikationen/keine-windenergie-im-wald/

Greifvogelarten potenziell betroffen.“

und Schreiadler (Clanga pomarina).“ – Foto: Maik Sommerhage
Ich halte die Errichtung von Windrädern im Wald grundsätzlich für falsch. Windräder in Wäldern verursachen einen
bedeutenden Flächenverlust von Wäldern, nicht nur durch
die Standorte der eigentlichen Windräder, sondern vor al
lem auch durch die breiten Erschließungsstraßen, welche die
Wälder erheblich fragmentieren und öffnen. Die Verluste von
Fledermäusen an Windrädern können über Wäldern extrem
hoch sein. Unter den Vögeln sind vor allem Schwarzstorch und
einige Greifvogelarten potenziell betroffen, besonders Rotmilan, Mäusebussard, See- und Schreiadler.
Einige bedrohte Waldvogelarten meiden Windräder auch groß
räumig, z. B. das Auerhuhn – was bedeutet, dass Windparks
in Wäldern den geeigneten Lebensraum erheblich reduzieren,
auch wenn die Vögel selbst nicht oder kaum an Windrädern
verunglücken. Vor allem aber brauchen wir die Wälder als kli
matische Ausgleichs- und Regenerationsflächen und als Koh
lenstoffspeicher. Naturferne Nadelholzforsten dürfen nicht
als geringwertig und wenig erhaltenswert angesehen, son
dern müssen zu naturnahen Wäldern mit ihren wertvollen
Gemeinwohlleistungen für Mensch, Klima und Natur entwickelt werden.
Was ist das für eine Politik, die sagt: „Diese Wälder sind sowieso kaputt, also können wir sie für die Energieproduktion weiter zerstören“?
Der Druck auf die Wälder wird stark erhöht, wenn große Min
destabstände von Windrädern zu Wohnbebauungen festge
legt werden, denn dadurch werden Windparks umso mehr vom
meist siedlungsnahen Agrarland in die großen zusammenhän
genden Waldgebiete gedrängt – das heißt, Natur zugunsten
der Lebensqualität der Menschen verbraucht und gefährdet.
Ein Dilemma!
Wegen dieser sich zuspitzenden Zielkonflikte ist es unbedingt wichtig, den Energiesparmaßnahmen
höchste Priorität im Klimaschutz zu geben.
Warum weitere Landschaften verbrauchen, wenn noch nicht
einmal ein Tempolimit auf Autobahnen durchsetzbar ist? So
lange energiefressende SUVs immer noch zugelassen sind,
egal ob als Verbrenner oder elektrisch? So lange Inlandsflü
ge billiger sind als die Bahn? Warum wird der Ressourcenver
brauch nicht viel stärker eingeschränkt? Warum muss erst ein
Krieg in Europa ausbrechen, bis der Bundeswirtschafts- und
Klimaschutzminister es endlich wagt, öffentlich vom Sparen zu sprechen? Ohne schnellstmöglichen Abschied vom Irrweg des
ewigen Wirtschaftswachstums und tiefgreifender Änderung un
seres Konsum- und Lebensstils werden wirksamer Klimaschutz
und Naturschutz nie vereinbar sein. Mit einem „weiter-so
wie-bisher-nur elektrisch“ werden Windräder nicht zur Lösung, sondern selbst zum Teil des Problems.

