Am Sonntag, den 18. Oktober 2026, fand der Vereinsausflug der Allianz für den Oberpfälzer und Bayerischen Wald e.V. statt. Die Vorstandschaft hatte sich in ihrer letzten Sitzung dafür entschieden, das Keltendorf Gabreta im Bayerischen Wald zu besuchen, um auf den Spuren unserer Vorfahren deren Geschichte und Lebensweise zu erkunden.
Pünktlich um 11:00 Uhr trafen wir zum Einlass am Eingang ein und konnten zunächst das Keltendorf auf eigene Faust erkunden. Über einen QR-Code ließen sich Audiodateien auf das Smartphone laden, die uns durch das Dorf führten.
Die Führung: Wie das Keltendorf entstand
Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Erlebnisgastronomie folgte um 13:00 Uhr eine Führung, bei der wir zunächst erfuhren, wie das Keltendorf entstanden ist.
Ursprünglich war eine Wiese hinter dem Hof von Paul Freund als Standort vorgesehen – dort waren keltische Keramikscherben gefunden worden. Mit einem Augenzwinkern wurde erzählt, dass Paul Freund, der für alles Mystische offen war, stets seine Wünschelrute dabeihatte, um nach Wasser zu suchen.
Bei der Planung wurde großer Wert auf Authentizität gelegt, auch wenn sich an der Stelle des heutigen Museums selbst keine keltische Siedlung befand. Das Dorf soll die keltische Vergangenheit der Region erlebbar machen und zugleich die Begeisterung für die Archäologie des Bayerischen Waldes wecken.
Gabreta, das sich inzwischen in Privatbesitz befindet, hat in den Jahrzehnten seines Bestehens so manchen Sturm erlebt und bislang überstanden – und wir hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt. Der Förderverein „Archäologischer Park Gabreta“ mit seinem Vorstand Ludwig Lankl und Prof. Dr. Helmut Bender als wissenschaftlichem Berater sieht es als Verpflichtung, sich weiter um das Erbe von Paul Freund zu kümmern.
Ein besonderer Anziehungspunkt ist das Blockhaus – der Nachbau eines keltischen Befundes aus Hallein im Salzburger Land –, das heute als neues Paul-Freund-Museum dient. Dort sind die von Paul Freund gesammelten Stücke zu sehen, etwa Glasscherben mit den dazugehörigen Repliken, aber auch Gebrauchsgegenstände wie eine Spindel. Die archäologischen Funde stammen nicht nur aus der Keltenzeit, sondern auch aus der Vor- und Frühgeschichte sowie aus dem Mittelalter.
Der Innenausbau wurde komplett neu konzipiert: Beleuchtete Glasvitrinen präsentieren die Sensationsfunde, und ein großer Touchscreen informiert zusätzlich über die Vergangenheit des Bayerischen Waldes als Keltengebiet.
Die Kelten – eine Hochkultur
Dass die Kelten keine „Wilden“ waren, sondern eine indigene Hochkultur, deren Gebiet vom Norden Europas bis nach Asien reichte, erstaunte doch viele von uns. Ihr Bild in manchen Geschichtsbüchern geht überwiegend auf römische Quellen zurück – also auf die Feder ihrer damaligen Feinde. Zu ihrem Ruf trugen wohl auch ihre für die damalige Zeit stattliche Körpergröße – 1,70 Meter und mehr waren keine Seltenheit – sowie ihr furchterregendes Auftreten in der Schlacht bei. Wie uns erzählt wurde, galt dies besonders für ihre Elitekämpfer, die Berserker, die weiß und blau bemalt und nackt kämpften. Sie griffen im Morgengrauen im Rauschzustand an: Im sogenannten Zaubertrank, den der Druide mischte, waren unter anderem Tollkirsche und Fliegenpilz enthalten. Der Trank machte das Blut dickflüssig, was bei Verletzungen, solange der Rausch anhielt, einem Verbluten entgegenwirkte. Viele starben jedoch danach an Erschöpfung oder an Verletzungen, die sie im Kampf nicht einmal bemerkt hatten.
Die Druiden gehörten – wie der Stammesfürst und der Schmied – zum Hochadel der Kelten. Sie verfügten über ein enormes Wissen über Kräuter und Heilkunst und waren zugleich die Priester der 300 bis 400 Götter, die die Kelten verehrten.
Auch als Handwerker waren die Kelten hervorragend: Sie besaßen bereits Eisenschwerter, als andere noch mit Bronzeschwertern kämpften.
Ihre Häuser waren äußerst stabil gebaut. So konnten weder der Orkan Kyrill im Jahr 2007 noch die Schneekatastrophe 2008 den in Gabreta errichteten Häusern Schaden zufügen.
Bei der Führung erfuhren wir außerdem einiges über die Färberkunst, die Heilkräuter und die Medizin der Kelten. In ihren Gärten bauten sie Kräuter an, wo wir heute teure Tabletten der Pharmaindustrie mit Nebenwirkungen kaufen. Man weiß heute zudem, dass die Kelten bereits erfolgreich Operationen am Kopf durchführten.
Die Kelten lebten im Einklang mit der Natur, ohne Raubbau zu betreiben. Stets ließen sie einen Teil für Mutter Erde bzw. für ihre Götter zurück. Daran könnte sich unsere sogenannte Zivilisation ein Beispiel nehmen, die aus Profitgier Raubbau an der Erde betreibt, als gäbe es nach uns keine weitere Generation mehr.
Keltisches Erbe in unserem Alltag
Interessant ist auch, dass alle christlichen Feiertage – mit Ausnahme von Fronleichnam und Pfingsten – auf keltische Feiertage gelegt wurden. Auch die Aufgaben verschiedener Götter haben inzwischen Heilige übernommen.
Bei den Kelten herrschten bereits Gleichberechtigung und eine gewisse Form von Demokratie. So konnte sich eine Frau ihren Mann selbst aussuchen – was später im Mittelalter nicht mehr der Fall war. Am 1. Mai, dem Fest der Liebe, auf das auch der Brauch des Maibaums zurückgeht, konnten sich beim Bandltanz zwei Verliebte beim Druiden melden – daher stammt auch der Ausdruck „obandln“. Das Paar musste dann ein Jahr und einen Tag in Grün gekleidet zusammen sein. Waren beide danach noch verliebt, konnten sie heiraten; wenn nicht, gingen sie wieder auseinander – man sagte, sie seien sich „nicht grün“. Auch diese Redewendung hat sich bis heute gehalten.
Anschließend wurde ein Vertrag über sieben Jahre geschlossen – wiederum eine Art Probezeit. Funktionierte die Ehe nach sieben Jahren nicht, trennte man sich wieder: Jeder konnte die Mitgift, die er in die Ehe eingebracht hatte, wieder mitnehmen, und das gemeinsam Erwirtschaftete wurde gerecht im Verhältnis 50:50 aufgeteilt. Daher stammt der Ausdruck vom „verflixten siebten Jahr“. Frauen konnten bei den Kelten auch Kriegerinnen sein – sie wurden uns als Walküren vorgestellt, bei den Wikingern entsprachen ihnen die Schildmaiden.
Außerdem wurde uns erzählt, dass jeder mit der Blutgruppe 0 sicher sein könne, keltische Vorfahren zu haben.










Mehr Informationen über das Keltendorf auf der Internetseite Gabreta – das Keltendorf im Bayerischen Wald
