Von Dr. Lutz Fähser


Quelle:

Naturschutzinitiative e.V. (NI)

Bundesweit anerkannter Naturschutzverband

https://naturschutz-initiative.de/wissen/publikationen/keine-windenergie-im-wald/

Ohne jeden Zweifel sind wir für ein weiteres nachhaltiges Leben
gezwungen, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen. Es wäre aber fatal, diesen eindimensional so zu gestalten, dass wesentliche andere Bereiche des Lebens dabei beschädigt werden. In einer demokratischen und pluralistischen
Gesellschaft werden gute Lösungen im Austausch mit betroffenen Gruppen gefunden. Diese artikulieren sich als Lobby ihrer Sichtweise. Umwelt- und Naturschutzverbände sind solche
Lobbyisten für das Leben.
Die Pläne des Bundes und der Länder sehen für Windenergie
anlagen (WEA) zwei Prozent der Landesflächen vor, neuerdings
auch drei Prozent.
Wälder als Standorte für WEA sind attraktiv für die Investoren,
weil dort kaum Siedlungen und Menschen als potenzielle „Ver
hinderer“ zu befürchten sind. Hier ist „niemand“ betroffen, ein
lebens- und fast rechtsfreier Raum. Juristischen Bedenken zum
Artenschutz und zum Tötungsverbot wird von den Regierungen
mit einem „überragenden öffentlichen Interesse“ und der notwendigen „öffentlichen Sicherheit“ begegnet.


Lebensraum Wald als Ökosystem
Tatsächlich haben Wälder als Ökosysteme und Lebensraum
unendlich vieler Lebewesen in der jetzigen Situation keine aus
reichende Lobby. Den privaten und öffentlichen Eigentümern
gelten sie überwiegend als Wirtschaftsfläche, als eine zu gestaltende Kultur. Neuerdings wird den örtlich betroffenen Kommunen eine Beteiligung am finanziellen Gewinn angeboten,
so dass auch diese in Zukunft ihre gesetzlich notwendige Zu
stimmung immer häufiger erteilen werden. Der derzeitige „Ab
lasshandel“ mit hohen Renditen und sogenannten Ausgleichs
maßnahmen wirkt zwar bei den Menschen, aber die eigentlich
betroffene Natur hat nichts davon, im Gegenteil.

Zerreißprobe innerhalb der Umweltverbände
Die entstandenen Konflikte heben auch zu andauernden Zerreiß
proben innerhalb der Umweltverbände geführt. Denn immerhin werden nach zuverlässigen Studien bisher jährlich mindestens
200.000 Vögel und 250.000 Fledermäuse von den Rotoren di
rekt oder indirekt durch Sogwirkung oder Barotraumata getötet.
Mit dem weiterem Ausbau und noch höheren und schnelleren
WEA wird die Zahl der Tötungen weiter ansteigen. In den Ge
nehmigungsverfahren wird die umfängliche permanente Störung
und Zerstörung des Waldökosystems über die reine Bau- und
Wegefläche hinaus nicht berücksichtigt.

Windindustrieanlagen
entwerten Wälder und Lebensräume

Windindustrieanlagen im Wald entwerten Lebensräume für Wild
tiere aller Art. Wildtiere sind zum Leben auf ihre ungeheuer fei
nen Sinne angewiesen, zur Flucht und auch zum Beutemachen.
WEA überdecken alle diese feinen Signale, optisch, akustisch
und sensorisch.

Der angenommene (Menschen)lebensfreie Raum ist im Gegen
teil viel belebter als jede Siedlung oder gar Großstadt. Neuerdings
müssen unsere Wälder gegen den weiteren Verfall im Klimastress
geschlossen gehalten werden, damit sie kühl und feucht bleiben
und den Stürmen weniger Angriffsmöglichkeiten bieten.

Betreiber und auch Umweltverbände geben in Genehmigungsverfahren häufig an, dass sie eine „naturverträgliche“ Lösung gefunden hätten. Diese ist aber mit der derzeitigen Rotor-Technik
nicht erreichbar.

Es gibt andere technische Lösungen, etwa nach dem Betrieb der
Flettner-Rotoren als senkrechte Walzen, die sich konstant erkennbar und leise drehen. Die Installationen und Wartungen müssen
auf geringste Flächenstörungen reduziert werden. Die Betreiber
müssen im Genehmigungsverfahren gezwungen werden, technisch wirklich „naturverträgliche“ Lösungen anzubieten.

Naturschutzvereine können und müssen als Träger öffentlicher
Belange in Genehmigungsverfahren ernsthaft und wirkungsvoll
als Lobby für die Waldnatur auftreten. Der politisch machbare
Kompromiss darf erst später von der Politik getroffen werden.
Und: Ernsthafte politische Bestimmungen zu Energieeinsparung
aller Art würden den Bedarf an Windenergieanlagen verringern.
Vorauseilender Gehorsam für eine schnelle Energiewende um
fast jeden Preis hieße, die Schutzbefohlene Natur alleine und be
schädigt zu lassen.