
Bei einem gut besuchten Vortrag im Gasthaus zur Post in Schönthal zum Thema „Wald unter Druck – Windkraftanlagen“ standen die aktuellen Entwicklungen rund um den Ausbau der Windenergie im
Landkreis Cham im Mittelpunkt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich
zu informieren und mitzudiskutieren.
Zu Beginn begrüßte der 1. Vorstand Martin Brunner die Anwesenden. Ebenso hieß er die
Mitorganisatorin Ingrid Kürzinger vom Verein Arbeitsgemeinschaft noch produzierender Landwirte
Ostbayern e.V. willkommen. Als Referent des Abends brachte Thomas Wechs zudem
seine juristische und politische Expertise in die Debatte ein
Vorstellung der Initiative und aktueller Stand
Brunner stellte zunächst den Verein Allianz für den Oberpfälzer- und Bayerischen Wald e.V. vor
und berichtete von der Gründung der Bürgerinitiative „Eisiger Wind“ am 13. November 2025.
Daraus ging schließlich am 2. Januar 2026 die Vereinsgründung hervor. Ziel sei es, die Interessen
der Region im Zusammenhang mit den geplanten Windkraftprojekten zu vertreten.
Nach Informationen des Landrats und der Regionalwerken befinden sich die Windkraftpläne im
Landkreis Cham derzeit auf „Stand by“. Dennoch wurde zum 1. Februar 2026 ein
Windvorranggebiet rechtskräftig ausgewiesen.
Massive Eingriffe in Natur und Trinkwasser
Besonders kritisch sehen die Veranstalter den Flächenverbrauch: In der Gemeinde Pemfling seien
rund neun Prozent des Waldgebiets betroffen, was etwa drei Prozent der gesamten Kommunalfläche
entspricht. Ähnliche Werte gelten auch für Rötz und Waffenbrunn.
Auch mögliche Gefährdungen für das Trinkwasser wurden thematisiert. So liege beispielsweise
nach unseren Erkenntnissen bei Rabenberg ein geplanter Standort in Pemfling nur rund 520 Meter
von einem Windrad entfernt, während in Schönthal sogar nur etwa 80 Meter Abstand zum
Trinkwasserschutzgebiet bestünden.
Zudem wurden gefährdete Tierarten aufgeführt, darunter das Großes Mausohr, das im Kirchturm
von Grafenkirchen angesiedelt ist, sowie der Rotmilan und der Wachtelkönig.
Politische Entwicklungen und Förderungen
Thomas Wechs erläuterte die verschärfte Rechtslage durch Bundesvorgaben. Bis Ende 2028 müssen
1,8 Prozent der Landesfläche als Windvorranggebiete ausgewiesen sein. „Ist ein Gebiet erst einmal
rechtskräftig, kann dort grundsätzlich jederzeit gebaut werden“, warnte er. Zudem sorge ein neuer
Bundes-Fördertopf für windschwache Gebiete dafür, dass eigentlich unrentable oder pausierende
Planungen der Regionalwerke über das EEG-System wieder attraktiv werden könnten.
Kritik übte Wechs auch an der Verlagerung von Entscheidungsbefugnissen auf die Regierung der
Oberpfalz, was die kommunale Selbstverwaltung nach Artikel 28 Grundgesetz schwäche.
Gesundheits- und Umweltfragen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf möglichen Umwelt- und Gesundheitsrisiken. Diskutiert wurden
unter anderem PFAS-Stoffe, die als sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ gelten und sich im Körper
anreichern können. Auch das in Anlagen verwendete Schwefelhexafluorid wurde angesprochen, ein
starkes Treibhausgas.
Offen blieb laut Vortragenden die Frage der Haftung im Falle von Grundwasserbelastungen. Kosten
für mögliche Filteranlagen könnten letztlich bei den Kommunen und damit den Bürgern landen.
Wirtschaftliche Aspekte und Kritik
Kritisch äußerten sich die Redner auch zur Finanzierung der Windkraft über das EEG. Es gebe
Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit, entsprechende Klagen seien anhängig. Zudem würden
Planungsleistungen bereits vergütet, auch wenn Anlagen letztlich nicht gebaut werden.
Weitere Punkte waren:
kein ausreichendes Löschkonzept für Anlagen im Wald
Auch der Rückbau sei nur zu etwa 90 Prozent vorgeschrieben, wobei Teile der Fundamente im
Boden verbleiben könnten.
Alternativen und Appell
Als Alternativen nannten die Veranstalter Biogas, Blockheizkraftwerke, Photovoltaik auf bereits
bebaute Flächen wie Parkhäuser oder als Schallschutz entlang der Bundesstraße, Wasserkraft sowie
kleinere Gaskraftwerke. Ziel müsse es sein, regional erzeugten Strom direkt den Bürgern
zugutekommen zu lassen.
In der abschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich: Die Skepsis in der Bevölkerung ist groß.
Die Allianz für den Oberpfälzer- und Bayerischen Wald appellierte an die Politik, den Dialog zu
intensivieren und den Schutz von Mensch und Umwelt über rein ideologische Ausbauziele zu
stellen
- fehlende Gewerbesteuereinnahmen vor Ort
- unklare Entsorgung nach etwa 20 Jahren Betriebszeit
- fehlende Absicherung für Landwirte bei Schäden
